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Geschichte

Der von dem Bach, an dem es liegt, übernommene Ortsname Medenbach deutet auf den alten Wortstamm „matt“, der im Namen der Mattiaker und des römischen Wiesbaden enthalten ist.

Funde aus der Stein-, Kelten- und Römerzeit, insbesondere im Bereich des im Dreißigjährigen Krieg untergegangenen Dorfes Costloff und des herrschaftlichen Hofes Meilingen sprechen für eine frühe Besiedlung dieses Raumes. Das älteste Fundstück im Heimatmuseum stammt aus der Steinzeit und kann auf 5500 bis 4900 v.Chr. datiert werden. Es ist ein gut erhaltener Schuhleistenkeil aus Amphibolit. Der „Napoleonshut“, ein keltischer Mahlstein, wird auf die Zeitspanne zwischen 250 und 150 v. Chr. datiert.

Die Weihe der alten Dorfkirche 1107 ist die früheste urkundliche Erwähnung des Dorfes, seine Entstehung verdankt es aber vermutlich dem karolingischen Landesausbau im 8. und 9. Jahrhundert.

Medenbach gehörte zum Mechthildshäuser Gericht; die Ortsherrschaft besaßen die Herren von Eppstein. 1492 verkaufte Gottfried IX. von Eppstein seine Anteile an dem Gerichtsbezirk Mechthildshausen (auch Medenbach) an den Landgrafen Wilhelm III. von Hessen-Marburg; eine lange Zugehörigkeit zu Hessen begann. Landgraf Philipp der Großmütige von Hessen sprach sich 1526 für das lutherische Bekenntnis aus und führte in seiner Herrschaft die Reformation durch. Als letzter katholischer Pfarrer in Medenbach wird Bernhardt von Praunheim erwähnt. 1531 wurde das Dorf evangelisch, um 1540 wurde Pfarrer Johann Textor der erste Pfarrer der reformierten lutherischen Kirchengemeinde Medenbach.

Medenbachs Flur musste großteils durch Rodungen gewonnen werden. Die Bewohner der Region waren über die Jahrhunderte überwiegend in Leibeigenschaft geraten mit Zahlung des Zehnten, Fronarbeit und Kriegsdienst. Im 16. Jahrhundert waren sie fast ausschließlich Kleinbauern, besaßen Pferde und bauten Hafer und Roggen an. Zeitweise bedeutend war Weinbau. Der Gemeindewald, als Stadtwald mit großen Buchenbeständen auch heute noch bedeutend, war für den Ort und seine Einwohner immer von existenzieller Bedeutung.

Medenbach hat sich als Straßendorf entwickelt. Es war bis in die Neuzeit durch ein Gebück, stellenweise einen Graben umfriedigt, der Straßendurchgang war durch Pforten gesichert. Inmitten der alten Siedlung erhebt sich an markanter Stelle die Kirche. Dort hatte im Mittelalter das Ortsgericht getagt, auf dem Friedhof, unter der Gerichtslinde, „an der offenen Straße an der Kirchhofsmauer“. Das Kirchengelände wurde Anfang der 1970er Jahre umgestaltet und die Linde gefällt.

Die ungefähren Einwohnerzahlen waren 85 im Jahr 1530, 130 im Jahr 1630 - mitten im Krieg und nachdem das Dorf Cosloff wahrscheinlich von seinen Bewohnern aufgegeben wurde. 1643 gab es noch 45 Einwohner in Medenbach – durch Kriegshandlungen und das Wüten der Pest war auch die hiesige Gegend wirtschaftlich und sozial ruiniert. 377 Personen wurden wieder im Jahr 1895 gezählt, 566 im Jahr 1950, 1147 im Jahr 1970.

Landgraf Moritz von Hessen-Kassel, genannt der Gelehrte, gründete in Medenbach die erste Schule, 1621 wird Hermann Papa als Lehrer genannt.

Mit dem Reichsdeputationshauptschluss im Jahre 1803 kam Medenbach mit dem Ländchen an das Fürstentum Nassau-Usingen, das 1806 im Herzogtum Hessen aufging.

Das 19. Jahrhundert brachte der Ländchesregion zunächst Belastungen durch die aus Russland zurückflutenden napoleonischen Truppen und den diesen folgenden preußischen und russischen Truppen. Es kam aber auch zur Aufhebung der Leibeigenschaft, zu Reformen in Rechtsprechung und Verwaltung, insbesondere der Neuregelung der Gemeindeverwaltung, Einführung konfessioneller Gemeinschaftsschulen und zu einer landständischen Verfassung. Die bisher von der Landesherrschaft eingesetzten Schultheißen wurden ab 1848 durch Bürgermeister abgelöst, die von der Gemeinde gewählt wurden.

Die Jahre 1848/49 scheinen in der kleinen Gemeinde Medenbach aktives politisches Handeln hervorgerufen zu haben. Als Herzog Adolf 1849 begann, die neuen Freiheiten wieder einzuschränken, sandten Medenbacher Bürger eine Resolution an die Ständeversammlung des Herzogtums, verlangten, den von der Regierung vorgelegten Verfassungsentwurf abzulehnen und schlugen die Annahme eines vom „Club der Linken“ favorisierten Entwurfes vor. Mit dem erstmals demokratisch gewählten Bürgermeister Peter Werner (Amtszeit vom 01.Januar 1849 bis 07. Februar 1870), der nicht aus einer begüterten Familie stammte, hatte die Gemeinde einen tatkräftigen Demokraten gefunden, der viele Aufgaben anging und mehrmals in seinem Amt bestätigt wurde.

Mit dem Bau der “Ländchesbahn“ (Eröffnung der Strecke Wiesbaden – Niedernhausen 1879) verbesserte sich die Lebenssituation von Tagelöhner- und Kleinbauernfamilien. Die Männer konnten jetzt zu außerhalb gelegenen Arbeitsstellen pendeln. Man war nicht mehr auf Gelegenheitsarbeiten bei Bauern angewiesen, arbeitete als Bauarbeiter und zunehmend in der Industrie. 1928 gab es in Medenbach 51 Pendler, davon arbeiteten 43 in Wiesbaden.

In den Jahren 1937 – 1939 wurde durch Medenbachs Gemarkung die Reichsautobahn 21 gebaut, ab 1974 Bundesautobahn A 3. Durch die notwendige Landumlegung wurde die Struktur des südöstlichen Teils der Gemarkung stark verändert. Das Wege- und Gewässernetz musste angepasst werden, Walddistrikte wurden durchschnitten. Im Waldbestand kam es zu erheblichen Einbußen, auch bei landwirtschaftlich genutzten Flächen.

1866 war der Ort preußisch geworden und lag im Regierungsbezirk Wiesbaden. Im Zuge einer Gebietsreform kamen 1885 alle Ländchesgemeinden (außer Langenhain) zum Landkreis Wiesbaden, 1928 zum Main-Taunus-Kreis (Verwaltung in Frankfurt-Höchst) und am 1.1.1977 wurde Medenbach ein Vorort von Wiesbaden.


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Die Ikone des „Heiligen Nikolaus von Medenbach“ wurde 2007 in der Medenbacher Gemarkung gefunden. wiesbaden.de
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