Von der Silberkanne zur Goldgasse: Ausstellung im Stadtmuseum
Das Stadtmuseum am Markt (sam) eröffnet am Dienstag, 16. Juni, die Ausstellung „Christian Dell – Von der Silberkanne zur Goldgasse“. Sie thematisiert einen Werkmeister des Staatlichen Bauhauses in Weimar und Mitgestalter der Bewegung „Das Neue Frankfurt“, der seine zweite Lebenshälfte in Wiesbaden verbrachte.
Mit der Sonderausstellung widmet das Stadtmuseum einem der prägenden Gestalter des 20. Jahrhunderts eine umfassende Ausstellung. Bis 15. November zeigt das Stadtmuseum im Rahmen der World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 (WDC 2026) die Vielfalt von Dells Schaffen – von frühen Silberarbeiten über innovative Kunststoffentwürfe bis hin zu seinen bis heute berühmten Leuchten der Serie „Kaiser Idell“.
Dell (1893–1974) zählt zu den bedeutenden Persönlichkeiten der deutschen Designgeschichte. Nach seiner Ausbildung zum Silberschmied in Hanau wirkte er als Werkmeister am Staatlichen Bauhaus in Weimar und später als Leiter der Metallklasse an der Kunstschule Frankfurt am Main. Dort prägte er eine Generation von Gestalterinnen und Gestaltern und vollzog eine Entwicklung vom kunsthandwerklichen Einzelstück zum hochwertigen Serienprodukt. Seine Entwürfe verbinden handwerkliche Präzision mit funktionaler Klarheit und einem ausgeprägten Interesse an neuen Materialien.
Besonders bekannt wurde Dell durch seine Leuchtenentwürfe der Serie „Kaiser Idell“, die bis heute als Ikonen des modernen Designs gelten. Weniger bekannt ist hingegen seine Rolle als Lehrer, Wegbereiter und Innovator industrieller Gestaltung. Die Ausstellung im Stadtmuseum nimmt daher die gesamte Bandbreite seines Schaffens in den Blick und zeigt neben Silberobjekten auch seltene Kunststoffarbeiten, Keramiken und zahlreiche Leuchten. Grundlage sind neben Objekten aus der Stadthistorischen Sammlung der Stiftung Stadtmuseum Wiesbaden bedeutende nationale und internationale Leihgaben, unter anderem aus dem Bauhaus-Archiv und der Bröhan Design Foundation in Berlin, der Stiftung Bauhaus Dessau sowie weiteren renommierten Museen und Privatsammlungen.
„Christian Dell hat Gestaltung nie als Selbstzweck verstanden. Seine Arbeiten zeigen, wie gutes Design den Alltag verbessern und für viele Menschen zugänglich werden kann – ein Gedanke, der bis heute aktuell ist und sich auch im Leitmotiv der WDC 2026‚Design for Democracy. Atmospheres for a better life‘ widerspiegelt. Zugleich war Dell eine internationale Designpersönlichkeit und Teil der Wiesbadener Stadtgeschichte, die bisher zu Unrecht noch viel zu wenig gewürdigt wurde. Als Stadtmuseum widmen wir uns dieser herausragenden Persönlichkeit, deren Lebensleistung bis heute weit über die Stadt und die Region hinaus ausstrahlte und freuen uns, Leben und Werk Christian Dells im Rahmen der World Design Capital Frankfurt und Region Rhein Main aufarbeiten und für möglichst viele Menschen sichtbar machen zu können“, sagt Sabine Philipp, Direktorin Stadtmuseums.
Dells Beziehung zu Wiesbaden war bislang weitgehend unbekannt. Nachdem er in Weimar, Frankfurt, Bayern und dem Harz gelebt hatte, kehrte er 1940 hierhin zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg eröffnete er in der Goldgasse das Geschäft „Geräte [/] Kunst [/] Schmuck“. Damit verbindet die Ausstellung internationale Designgeschichte mit einem bislang wenig bekannten Kapitel der Wiesbadener Stadtgeschichte.
„Christian Dell war weit mehr als der Entwerfer der ,Kaiser Idell‘-Leuchte. Als Silberschmied, Lehrer und Entwerfer für neue Materialien prägte er die Moderne. Die Ausstellung macht die volle Bandbreite seines Schaffens sichtbar“ erläutert Dr. Vera Klewitz, Kuratorin der Ausstellung.
Das Stadtmuseum ist von Dienstag bis Sonntag täglich von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Am Donnerstag ist es von 11 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt in die Dauerausstellung ist frei. Der Eintritt in die Sonderausstellung kostet sechs Euro, ermäßig vier Euro.
Die Ausstellung ist ein Projekt im Rahmen der WDC 2026 und wird von einem umfangreichen Begleitprogramm mit Führungen, Vorträgen, Workshops und Gesprächsformaten begleitet. Dabei werden unterschiedliche Facetten von Dells Werk sowie seine Bedeutung für Design, Handwerk und Alltagskultur beleuchtet. WDC 2026 wird gefördert durch das Land Hessen, die Stadt Frankfurt am Main und den Kulturfonds Frankfurt RheinMain.
Zur Ausstellung erscheint eine reich bebilderte Begleitbroschüre (112 Seiten), erhältlich im Stadtmuseum für 14,80 Euro. Außerdem erscheint die umfangreiche Publikation „arnoldsche ART PUBLISHERS, Stiftung Stadtmuseum Wiesbaden, Sabine Philipp (Herausgeberin), Christian Dell“. Sie umfasst 280 Seiten kostet 48 Euro und hat die ISBN 978-3-89790-758-4.
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