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KZ-Gedenkstätte „Unter den Eichen“ öffnet nach umfassender Neukonzeption

Die Landeshauptstadt Wiesbaden setzt ein weiteres Zeichen gegen das Vergessen von NS-Unrecht. Nach intensiver Forschungs- und Konzeptionsarbeit des Stadtarchivs wird die Gedenkstätte „Unter den Eichen“ mit einer überarbeiteten Dauerausstellung wiedereröffnet. Die Ausstellung dokumentiert die Geschichte des Wiesbadener Außenlagers des KZ Hinzert.

Moderne Vermittlungskonzepte, eine zweisprachige Gestaltung und eine markante Erweiterung im Außenbereich rücken das Schicksal der Zwangsarbeiter in den Fokus der Öffentlichkeit.

Wiesbaden blickt auf einen dunklen Aspekt der Stadtgeschichte zurück. Von März 1944 bis März 1945 existierte auf dem ehemaligen Reit- und Turnierplatz „Unter den Eichen“ ein Außenlager des SS-Sonderlagers Hinzert. Die SS verlagerte damals Dienststellen aufgrund alliierter Luftangriffe an den Stadtrand. „Für den Bau dieser Ausweichstellen forderte die SS Häftlinge aus dem Konzentrationslager im Hunsrück an“, erklärt die Leiterin des Sachgebiets Gedenkstätten und Stadtgeschichte im Stadtarchiv, Dr. Katherine Lukat.

„Am 20. März 1944 erreichten die ersten 57 Gefangenen die Stadt. In der Hochphase internierte die SS hier rund 100 Männer“, erläutert Lukat weiter. Bei den Häftlingen handelte es sich um eine in Deutschland wenig bekannte Opfergruppe. „Die meisten Häftlinge stammten aus Luxemburg“, sagt Stadtarchivleiter Dr. Peter Quadflieg. „Während des Zweiten Weltkriegs wurden aus dem besetzten Großherzogtum allein knapp 1.600 Männer in das KZ Hinzert verschleppt“, erklärt Quadflieg, der selbst unter anderem für seine Magisterarbeit zu Luxemburg im Zweiten Weltkrieg geforscht hat. „Das waren Männer, die in Luxemburg, das die Deutschen zu germanisieren versuchten, den Dienst in der Wehrmacht verweigerten, Widerstand leisteten oder den Widerstand unterstützten.“

In Wiesbaden mussten die KZ-Häftlinge harte Zwangsarbeit leisten. So renovierten die Männer Dienstwohnungen für SS-Größen wie Jürgen Stroop. Stroop, eine Schlüsselfigur bei der Niederschlagung des Aufstandes im Warschauer Ghetto 1943, war zu dieser Zeit Höherer SS- und Polizeiführer Rhein/Westmark mit Dienstsitz in Wiesbaden. Die KZ-Häftlinge räumten aber auch Bombentrümmer in der Innenstadt und arbeiteten in Wiesbadener Betrieben.

Zusätzlich zwang die SS die Häftlinge zum Bau eines Bunkers. Dieser sollte die Mitarbeiter der SS-Dienststellen der Stadt schützen, die man von der Innenstadt auf das am Waldrand gelegene Areal „Unter den Eichen“ verlegt hatte. „Am 18. Dezember 1944 fielen Bomben auf das Gelände. Sechs Luxemburgische KZ-Häftlinge starben bei diesem Angriff“, erklärt Lukat. „Die SS verweigerte ihnen den Zugang zum Bunker unter Androhung von Waffengewalt.“ Die Aufsicht im KZ-Außenlager wurde von Polizeireservisten, die zu alt für den Kriegsdienst waren, übernommen. „Intensive Recherchen ermöglichten die Rekonstruktion der Biografie eines der Aufseher. Sie zeigt exemplarisch, wie die Männer auf ihren Dienst im KZ vorbereitet wurden und welche juristischen Folgen der Dienst im Außenlager nach 1945 hatte“, erläutert Lukat weiter.

Nur der Betonbunker überdauerte die Zeit. Alle übrigen SS-Baracken auf dem Turnierplatz verschwanden unmittelbar nach Kriegsende. Das Lager selbst wurde am 26. März 1945 aufgelöst und die verbliebenen Häftlinge nach Frankfurt am Main verlegt. Einigen gelang die Flucht. Sie versteckten sich in der nahen Umgebung des Lagergeländes und warteten auf die Ankunft der US-Armee.

Lange blieb das KZ-Außenlager in Wiesbaden vergessen. Erst Ende der 1970er Jahre mehrten sich Stimmen, die die Einrichtung eines dauerhaften Mahnmals forderten. Am 9. November 1991 eröffnete der damalige Oberbürgermeister Achim Exner die erste Dauerausstellung im Bunker „Unter den Eichen“. Mit der Einrichtung der Ausstellung widmete der Magistrat der Landeshauptstadt Wiesbaden den Bunker als Gedenkstätte.  Nach 35 Jahren wird diese Ausstellung in einer Neugestaltung weiterentwickelt und um neue Erkenntnisse der historischen Forschung über Einzelschicksale erweitert. 

An die über 100 Häftlinge des Wiesbadener KZ-Außenlagers erinnert nun eine neue Dauerausstellung. Sie wirkt dabei über das Innere des Bunkers hinaus. Großformatige Tafeln im Außenbereich machen die Gedenkstätte sichtbar. Sie rücken die sechs am 18. Dezember 1944 getöteten Luxemburger ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Kulturdezernent Dr. Hendrik Schmehl betont die Bedeutung dieser Präsenz. Das Gedenken findet nun auch im öffentlichen Raum statt. „Durch die Erweiterung der Ausstellung auch auf den Außenbereich ist die Gedenkstätte nun besser als solche zu erkennen. Das Gedenken an die Männer, die auf dem Gelände ihr Leben verloren, rückt nun ins Zentrum“, sagt Schmehl.

Das Stadtarchiv als verwaltende Stelle für die Gedenkstätte „Unter den Eichen“ begann 2021 mit den Recherchen für die nun überarbeitete Ausstellung. „Nach einer längeren Schließzeit, in der die neue Ausstellung aufgebaut wurde, kann die Gedenkstätte nun wieder regulär öffnen“, erklärt Quadflieg. „Von der Entwicklung des neuen Ausstellungskonzeptes über die Gestaltung des Außenbereichs bis hin zum Ausstellungsbau war es ein intensiver Prozess, der mit der neuen, optisch ansprechenden und nach aktuellen Maßstäben der Gedenk- und Erinnerungsarbeit gestalteten Ausstellung nun zu einem Abschluss kommt.“

Ein zentraler Aspekt ist die Mehrsprachigkeit. Die Ausstellungstexte sind konsequent deutsch und englisch gefasst. Begleitmaterialien liegen zusätzlich auf Französisch vor. Dies ist ein bewusstes Signal an die Nachkommen der Inhaftierten aus Luxemburg, Frankreich und Belgien. „Das Stadtarchiv pflegte während der Konzeption engen Kontakt zu den Heimatgemeinden der Verschleppten“, ergänzt Schmehl.

Im Zuge der Neukonzeption der Dauerausstellung hat das Stadtarchiv mit Unterstützung des städtischen Hochbauamtes auch die Haustechnik modernisiert, dringend notwendige Sanierungsarbeiten durchgeführt und die Sicherheitsbeleuchtung in den Bunker eingebracht.

Die Dauerausstellung wird mit einer Feierstunde am Dienstag, 12. Mai, offiziell neu eröffnet. Aufgrund des begrenzten Platzes in der Gedenkstätte ist eine Teilnahme an der Eröffnung nur auf Einladung möglich. Ab Samstag, 16. Mai, ist die Gedenkstätte jedoch auch wieder für alle Interessierten geöffnet. Wie bereits vor der Neukonzeption öffnet die Gedenkstätte immer samstags von 14 bis 16 Uhr. Geführte Rundgänge für Gruppen können auch zu anderen Zeiten und Wochentagen angefragt werden. Hierzu wenden sich Interessierte direkt per E-Mail an das Stadtarchiv: stadtarchivwiesbadende.

Bilder

Blick auf die Gedenkstätte „Unter den Eichen“. Großformatige Tafeln im Außenbereich erinnern an die Opfer.
Blick auf die Gedenkstätte „Unter den Eichen“. Großformatige Tafeln im Außenbereich erinnern an die Opfer.

Herausgeber dieser Pressemitteilung ist das Pressereferat der Landeshauptstadt Wiesbaden, Schlossplatz 6, 65183 Wiesbaden, pressereferatwiesbadende. Bürgerinnen und Bürger können sich bei Fragen an das zuständige Dezernat oder Amt wenden.

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