Wiesbadener Industrie braucht Fachkräfte zur Zukunftssicherung!
Günstiger Wohnraum, Betreuungs- und Bildungsangebote sowie intelligente Vermittlungsansätze sind Schlüsselfaktoren, um den Bedarf an Fachkräften nachhaltig zu sichern.
Die Industrie in Wiesbaden ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor: Sie sichert Wohlstand, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen, die Infrastruktur, Bildung und Soziales finanzieren. Doch Fachkräftemangel – verschärft durch Demografie, gesellschaftlichen Wandel und die Folgen der Corona-Pandemie – bedroht diese Rolle. Betroffen sind alle Qualifikationsniveaus, besonders technische und handwerkliche Berufe sowie Logistik. Die Folgen des Fachkräftemangels sind längere Vakanzen, höhere Recruiting-Kosten, Überlastung der Belegschaft, Produktionsausfälle und Wachstumsverluste.
Unternehmen reagieren bereits mit attraktiveren Arbeitsbedingungen, flexibleren Zielgruppen, Um- und Nachschulungen sowie Kooperationen mit Verbänden und Kommunen. Doch diese Maßnahmen reichen nicht aus. Die Politik muss die Standortbedingungen verbessern, um den Fachkräftemangel nachhaltig zu bekämpfen.
Handlungsempfehlungen des Industriebeirats an die Wiesbadener Stadtpolitik zu folgenden Themen:
- Wohnraum für alle Einkommensschichten
Die Wohnraumknappheit in Wiesbaden behindert die Besetzung von Stellen, besonders für Gering- und Mittelverdiener, auf die die Industrie angewiesen ist. Der Industriebeirat fordert eine nachhaltige kommunale Wohnraumpolitik, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen – auch für Azubis technischer Berufe.
- Mobilität: ÖPNV und Individualverkehr stärken
Pendler aus dem Umland, die in Wiesbadens Industriebetriebe arbeiten, sind auf den Pkw angewiesen.Der Industriebeirat fordert die Akzeptanz des Individualverkehrs. Der ÖPNV muss Industriestandorte besser anbinden hinsichtlich Strecken und Taktung.
- Bedarfsorientierte Betreuungsangebote
Kinderbetreuung ist ein entscheidender Standortfaktor, um Beschäftigten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen. Der Industriebeirat fordert ausreichend schnell erreichbare, wohnortnahe Betreuungsplätze, um Vollzeitarbeit zu ermöglichen. Eine zuverlässige Betreuung für Care-Arbeit ist sowohl für Arbeitnehmende als auch für Arbeitgeber ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor.
- Bildungsexzellenz für Fachkräfte von morgen
Berufsschulen müssen digital und attraktiv sein, um Abwanderung nach Frankfurt/Mainz zu verhindern. Der Industriebeirat fordert deshalb schnellere Digitalisierung und bessere Ausstattung an den Schulen. Darüber hinaus sollten die Azubi-Wohnheime für alle Ausbildungsberufe nutzbar sein.
- Intelligente Vermittlungsplattformen
Kooperationen mit der Stadt (z. B. Azubi-Messen, Speed-Datings) sind erfolgreich und müssen ausgebaut werden. Der Industriebeirat fordert die gezielte Vermittlung von Geflüchteten und Menschen mit Migrationshintergrund durch Plattformen, Veranstaltungen und städtische Integrationsangebote.
- Stadtmarketing: Industrie als Stärke positionieren
Wiesbaden vereint historische Industriekultur, Kur- und Kulturstadtflair sowie moderne Industrie – ein attraktives Alleinstellungsmerkmal. Der Industriebeirat fordert eine aktive Einbindung der Industrie in das Stadtmarketing, um im Rhein-Main-Wettbewerb um Fachkräfte zu punkten.
- Interkommunale Zusammenarbeit
Kooperation mit Mainz und Rhein-Main-Institutionen (z. B. in der beruflichen Bildung) sollen gestärkt werden, um Synergien zu nutzen und die Strahlkraft Wiesbadens als Arbeits-, Wohn- und Lebensraum zu erhöhen.
Das Positionspapier in ganzer Länge finden Sie unter "Dokumente" als PDF zum Download.