Positionen des Industriebeirats
Wer Rahmenbedingungen verbessern will, muss Position beziehen. Der Industriebeirat hat zu verschiedenen Themen Positionspapiere veröffentlicht, um auf wichtige Belange für die Industrie hinzuweisen.
Positionspapier #1 zur Zukunft der Berufsschulen (2022)
"Die Betriebliche Ausbildung ist die wichtigste Säule der Nachwuchsgewinnung. Betriebe und Berufsschulen müssen auch in Zukunft gut erreichbar bleiben!
Duale Berufsausbildung als Erfolgsmodell sichern
Die duale Berufsausbildung ist für die Industrie die wichtigste Säule der Nachwuchssicherung. Trotz eines großen Angebots an Ausbildungsberufen sinken die Bewerberzahlen, was die Suche nach geeignetem Nachwuchs erschwert.
Das duale System kombiniert praktische Betriebserfahrung mit theoretischer Berufsschulbildung. Für Jugendliche sind kurze Anfahrtswege entscheidend, da viele auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind. Das Hessische Konzept, Fachklassen mit wenigen Schülern zu zentralisieren, könnte jedoch zu langen Fahrzeiten führen und die Attraktivität bestimmter Berufe (z. B. Chemielaborant, Mechatroniker, Konstruktionsmechaniker) weiter mindern.
Forderungen des Industriebeirats an das Hessische Kultusministerium:
- In Grenzregionen wie Wiesbaden/Mainz sollten Verordnungen überregional angepasst und angewendet werden, um die Erreichbarkeit der Berufsschulen zu verbessern.
- Moderne Ausstattung und virtuelle Lehrinhalte könnten Präsenzzeiten verkürzen und die Attraktivität steigern.
- Ein Ausbau und eine Verbesserung des Öffentlichen Nahverkehrs von Wiesbaden ins hessische Umland ist dringend nötig.
- Bei Landesklassen im ländlichen Raum müssen kostengünstige Übernachtungs- und Betreuungsmöglichkeiten geschaffen werden.
Die Betriebe des Industriebeirats Wiesbaden sind bereit, ihren Beitrag zu leisten. Die Politik muss pragmatische Rahmenbedingungen schaffen, um den Fachkräftemangel zu bekämpfen.
Das Positionspapier in ganzer Länge finden Sie unter "Dokumente" als PDF zum Download.
Positionspapier #2 zur Fachkräftesicherung (2023)
Wiesbadener Industrie braucht Fachkräfte zur Zukunftssicherung!
Günstiger Wohnraum, Betreuungs- und Bildungsangebote sowie intelligente Vermittlungsansätze sind Schlüsselfaktoren, um den Bedarf an Fachkräften nachhaltig zu sichern.
Die Industrie in Wiesbaden ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor: Sie sichert Wohlstand, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen, die Infrastruktur, Bildung und Soziales finanzieren. Doch Fachkräftemangel – verschärft durch Demografie, gesellschaftlichen Wandel und die Folgen der Corona-Pandemie – bedroht diese Rolle. Betroffen sind alle Qualifikationsniveaus, besonders technische und handwerkliche Berufe sowie Logistik. Die Folgen des Fachkräftemangels sind längere Vakanzen, höhere Recruiting-Kosten, Überlastung der Belegschaft, Produktionsausfälle und Wachstumsverluste.
Unternehmen reagieren bereits mit attraktiveren Arbeitsbedingungen, flexibleren Zielgruppen, Um- und Nachschulungen sowie Kooperationen mit Verbänden und Kommunen. Doch diese Maßnahmen reichen nicht aus. Die Politik muss die Standortbedingungen verbessern, um den Fachkräftemangel nachhaltig zu bekämpfen.
Handlungsempfehlungen des Industriebeirats an die Wiesbadener Stadtpolitik zu folgenden Themen:
- Wohnraum für alle Einkommensschichten
Die Wohnraumknappheit in Wiesbaden behindert die Besetzung von Stellen, besonders für Gering- und Mittelverdiener, auf die die Industrie angewiesen ist. Der Industriebeirat fordert eine nachhaltige kommunale Wohnraumpolitik, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen – auch für Azubis technischer Berufe.
- Mobilität: ÖPNV und Individualverkehr stärken
Pendler aus dem Umland, die in Wiesbadens Industriebetriebe arbeiten, sind auf den Pkw angewiesen.Der Industriebeirat fordert die Akzeptanz des Individualverkehrs. Der ÖPNV muss Industriestandorte besser anbinden hinsichtlich Strecken und Taktung.
- Bedarfsorientierte Betreuungsangebote
Kinderbetreuung ist ein entscheidender Standortfaktor, um Beschäftigten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen. Der Industriebeirat fordert ausreichend schnell erreichbare, wohnortnahe Betreuungsplätze, um Vollzeitarbeit zu ermöglichen. Eine zuverlässige Betreuung für Care-Arbeit ist sowohl für Arbeitnehmende als auch für Arbeitgeber ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor.
- Bildungsexzellenz für Fachkräfte von morgen
Berufsschulen müssen digital und attraktiv sein, um Abwanderung nach Frankfurt/Mainz zu verhindern. Der Industriebeirat fordert deshalb schnellere Digitalisierung und bessere Ausstattung an den Schulen. Darüber hinaus sollten die Azubi-Wohnheime für alle Ausbildungsberufe nutzbar sein.
- Intelligente Vermittlungsplattformen
Kooperationen mit der Stadt (z. B. Azubi-Messen, Speed-Datings) sind erfolgreich und müssen ausgebaut werden. Der Industriebeirat fordert die gezielte Vermittlung von Geflüchteten und Menschen mit Migrationshintergrund durch Plattformen, Veranstaltungen und städtische Integrationsangebote.
- Stadtmarketing: Industrie als Stärke positionieren
Wiesbaden vereint historische Industriekultur, Kur- und Kulturstadtflair sowie moderne Industrie – ein attraktives Alleinstellungsmerkmal. Der Industriebeirat fordert eine aktive Einbindung der Industrie in das Stadtmarketing, um im Rhein-Main-Wettbewerb um Fachkräfte zu punkten.
- Interkommunale Zusammenarbeit
Kooperation mit Mainz und Rhein-Main-Institutionen (z. B. in der beruflichen Bildung) sollen gestärkt werden, um Synergien zu nutzen und die Strahlkraft Wiesbadens als Arbeits-, Wohn- und Lebensraum zu erhöhen.
Das Positionspapier in ganzer Länge finden Sie unter "Dokumente" als PDF zum Download.
Positionspapier #3 zu Wohnraum (2023)
Bezahlbarer Wohnraum - Wiesbadens städtische Integrität und Attraktivität im Wettbewerb um Fachkräfte erhalten!
Flächen entwickeln, Modelle für das junge Wohnen fördern, Wiesbadens Verkehrssituation nachhaltig entlasten und die mittelständische industri-elle Stadtkultur wiederherstellen.
Der Wohnraumversorgung, insbesondere mit Angeboten für Personen mit niedrigen und mittleren Einkommen, kommt in Wiesbaden eine vielfältige, für die Entwicklung von Stadt und Wirtschaft nachhaltig wichtige Bedeutung zu. Für den Wiesbadener Industriebeirat als Vertretung der lokalen Industrieunternehmen stehen dabei drei Aspekte im Vordergrund:
- Die lokale Wohnraumsituation als Rahmenbedingung für das Recruiting von Fachkräften
Im ohnehin harten Wettbewerb um Fach- und Arbeitskräfte stellt die stark angespannte Lage am Wiesbadener Wohnungsmarkt einen strategischen Nachteil gegenüber anderen Standorten dar.
- Der Einfluss des Wohnraumangebots auf Mobilität und Verkehrssituation
Die Alternative, zum Arbeitsplatz zu pendeln, stellt angesichts zunehmender Mobilitätseng-pässe keine zukunftsfähige Option dar. Es gilt, die Themen Fachkräftemangel, Wohnraumangebot und Mobilität in diesem Sinne systematisch zusammenzudenken.
- Strategische Entwicklung von Flächen für Wohnen und Gewerbe
Forderungen des Industriebeirats an die Stadt:
- Stärkung der strategischen Perspektive der Flächenentwicklung
- Konsequente Fortführung der langfristigen integrierten Planung sowohl für Wohn- als auch Gewerbegebiete
- Weiterführung eines Flächenmonitorings, das einen Überblick über Bauaktivitäten und Potenzialflächen bietet und als Informationsgrundlage für zukünftige Flächenbedarfe dient.
- Identifizierung und Beseitigung von Entwicklungshemmnissen entifiziert.
- Ausgewogenheit im neuen Flächennutzungsplan in der Berücksichtigung wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Anforderungen. Dabei zählt die Schaffung von Wohnraum zu den besonders wichtigen sozialen Aspekten. Zugleich ist bezahlbarer Wohnraum über den Effekt einer Reduzierung des Pendelverkehrs ein Schlüsselfaktor für die Verbesserung der verkehrstechnischen Situation in und um Wiesbaden.
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Positionspapier #4 zu Entbürokratisierung (2023)
Bürokratieabbau unterstützt Unternehmenserfolge!
Behördliche Prozesse als Wettbewerbsfaktor. Effizienz und Autonomie durch Digitalisierung.
Bürokratie als geordnetes System von Regeln ist ein wesentliches Merkmal und eine Voraussetzung für das Funktionieren von komplexen, hoch arbeitsteiligen und differenzierten Gesellschaften. Sie garantiert Individuen und Organisationen zahlreiche Vorteile. Dazu gehören vor allem personenunabhängige Objektivität, Gleichbehandlung, Berechen- und Planbarkeit sowie Zuverlässigkeit. Als Vertretung wichtiger industrieller Wirtschaftsunternehmen anerkennt der Industriebeirat ausdrücklich die wirtschafts- und gesellschaftsförderliche Funktion der Bürokratie.
Bürokratie hat ihre Kosten für Unternehmen:
- Vor allem durch die Bindung personeller Ressourcen zur Erfüllung regulatorischer Forderungen auf EU-, Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene
- durch die eventuelle Verzögerung betrieblicher Prozesse
- durch direkte Kosten in Form von Gebühren.
Forderungen des Industriebeirats an die Stadt:
Der Industriebeirat appelliert an die Wiesbadener Verwaltung, Unternehmen bei der Bewältigung aller regulatorischen Auflagen bestmöglich zu unterstützen. Dies kann auf unterschiedliche Weise und auf unterschiedlichen Ebenen erfolgen:
- Durch politische Arbeit des Magistrats in Richtung Land und Bund mit dem Ziel des Abbaus regulatorischer Lasten und der Vereinfachung von Prozessen und Dokumentationspflichten
- Durch die partnerschaftliche Förderung einer Kultur des Verständnisses und der Wertschätzung unternehmerischer Tätigkeit in den Ämtern und Organen der Landeshauptstadt.
- Durch die kontinuierliche Optimierung behördlicher Prozesse und Verfahren insbesondere durch weitere Digitalisierung.
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Downloadmöglichkeit Positionspapiere
Referat für Wirtschaft und Beschäftigung
Anschrift
65183 Wiesbaden
Postanschrift
65029 Wiesbaden
Anreise
Hinweise zum ÖPNV
ÖPNV: Haltestelle Dern'sches Gelände, Luisenplatz und Wilhelmstraße; Buslinien 1, 2, 4, 5, 8, 14 15, 16, 17, 18, 20, 21, 22, 23, 24, 27, 30, 36, 45, 46, 47, 48, 262.
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