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Typisch Wiesbaden

Wiesbaden und der Riesling - ein Interview

Wiesbaden und der Riesling – eine lange Liebesgeschichte! Schon seit 500 Jahren wird er auf dem Neroberg angebaut. Was ihn so besonders macht, warum er in der Region so gut gedeiht und wo Ihr ihn Euch schmecken lassen könnt, verrät Euch die Wiesbadener Weinkönigin Annkathrin Dötsch.

Annkathrin Dötsch im Dirndl und Weinglas vorm Kurhaus

Fräulein Quellgeflüster: Der Riesling gilt als "Königin der Rebsorten" – was macht ihn so besonders? 
Annkathrin: Sein einmaliges Spiel zwischen Säure und fruchtigen Aromen - das findet man in diesem Maß bei keiner anderen Rebsorte. Die Säure sorgt auch dafür, dass der Riesling ein sehr langlebiger Wein ist. Bei entsprechender Qualität kann er ohne Probleme zehn Jahre reifen.

Fräulein Quellgeflüster: Warum gedeiht der Riesling hier besonders gut?  
Annkathrin: Der Riesling liebt kalkhaltige Böden, wie wir sie hier im Rheinbecken haben. Außerdem ist er ein großer Fan von kühleren Sommern ohne extreme Spitzen. Die mittlerweile langen Trockenperioden und die Hitze machen ihm aber ganz schön zu schaffen. Wenn sich die Klimaerwärmung weiter so entwickelt, wird es für den Riesling problematisch … 

Fräulein Quellgeflüster: Woran erkennt man einen guten Riesling?
Annkathrin: Ganz einfach – daran, dass er schmeckt ;-) Bei der Vielfalt sollte jeder und jede den passenden für sich finden. Von trocken bis edelsüß ist alles möglich. Das ist bei anderen Rebsorten, wie zum Beispiel Chardonnay oder Sauvignon Blanc, nicht der Fall – diese werden trocken ausgebaut.

Fräulein Quellgeflüster: Wo kann man den Riesling am schönsten genießen?  
Annkathrin: An der "längsten Weintheke der Welt", der Rheingauer Weinwoche (Öffnet in einem neuen Tab) in Wiesbaden, kann man ihn in seiner ganzen Vielfalt verkosten, sozusagen den Rheingau einmal "rauf und runter". Sehr schön sind auch die Weinstände entlang des Rheins, die super mit dem Fahrrad erreichbar sind. Eine tolle Kulisse bietet zum Beispiel der Biebricher Weinstand zwischen Rhein und Schloss. 

Es lohnt sich auch immer, in den kleinen Rheingauer Straußwirtschaften der Winzerinnen und Winzer einzukehren. Bei Wein und kleinen regionalen Köstlichkeiten kann man schön zusammensitzen. Neue Bekanntschaften nicht ausgeschlossen! Persönlich mag ich das Weingut Keßler (Öffnet in einem neuen Tab) in Oestrich-Winkel. Über den Weinbergen lässt sich der Rheingauer Riesling bei einem guten Essen hervorragend genießen. Und noch ein Tipp: Der Wiesbadener Weinkalender (Öffnet in einem neuen Tab) ist ein super Begleiter, hier findet man alle Veranstaltungen rund ums Jahr! 

Fräulein Quellgeflüster: Wie wird man Weinkönigin? 
Annkathrin: Auf Ortsebene äußert man sein Interesse bei den Winzerinnen und Winzern oder den amtierenden Majestäten. In der Regel wird man erst einmal Prinzessin, um in das Amt "reinzuschnuppern". Es kann anfangs einschüchternd sein, vor vielen Menschen frei zu sprechen – etwas, woran man sich aber schnell gewöhnt. Anschließend kann man sich als Rheingauer Weinkönigin bewerben. Das ist dann eine richtige Wahl mit schriftlichem Test und Fachbefragung vor einer Jury.

Fräulein Quellgeflüster: Was reizt Dich am Amt der Weinkönigin?
Annkathrin: Ich liebe es, anderen meine Heimat näherzubringen und die gesamte Region zu vertreten. Das Amt hat sich in den letzten Jahren extrem gewandelt: Mittlerweile werden wir Weinmajestäten als Fachfrauen ernstgenommen. Das freut mich und macht mich stolz!  Es ist so ein tolles Amt, das mir sehr viel zurückgibt: Ich durfte schon so viele tolle Persönlichkeiten kennenlernen und inspirierende Gespräche führen. Und ich liebe die leuchtenden Augen der Kinder, die vor der Bühne stehen. Die Mehrheit von uns Mädels hat einmal genau an diesem Punkt gestanden. Das lässt mich hoffen, dass auch die nächsten Generationen an Weinmajestäten gesichert sind! 

Annkathrin als Kind mit Krone

Fräulein Quellgeflüster: Wie viele Weinmajestäten gibt es im Rheingau?
Annkathrin: Inzwischen sind wir über 50. Gerechnet auf die Größe des Anbaugebiets ist das deutschlandweit tatsächlich die höchste Dichte. Wir empfinden uns als "Wochenendfamilie" – es entstehen Freundschaften fürs Leben. Es ist ein Amt das verbindet, bei dem man viel über sich selbst erfährt und über sich hinauswächst. 

Fräulein Quellgeflüster: Dass Du einmal Weinkönigin werden würdest, wurde Dir sozusagen vorhergesagt ... 
Annkathrin: Richtig! Schon als kleines Mädchen stand ich bei den Krönungen in meinem Heimatort mit auf der Bühne und habe das Kronenkissen gehalten. Eine Bekannte, die Wiesbadener Weinkönigin war, hat mir an Fastnacht mal die Krone aufgesetzt und mir gesagt, dass ich einmal Weinkönigin werden würde. Allerdings hätte ich mir nie träumen lassen, dass ich so lange im Amt sein würde – mittlerweile neun Jahre! Ein Jahr als Kostheimer Weinprinzessin, vier Jahre als Kostheimer Weinkönigin und nun schon seit vier Jahren als Wiesbadener Weinkönigin. Eine wunderbare Zeit, ohne die ich sicherlich nicht zu dem Menschen geworden wäre, der ich heute bin. 

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