Denk nicht, schau!
Riesig, voller Farbe und Leben sind die Bilder des österreichischen Malers Wolfgang Hollegha, die bis zum 25. Oktober in der Ausstellung "Denk nicht, schau!" im Museum Reinhard Ernst zu sehen sind. Eine fulminante Deutschlandpremiere eines der international bedeutendsten abstrakten Maler Österreichs nach 1945!
Erstmals in Deutschland: Auf insgesamt 660 Quadratmetern präsentiert das Museum unter dem Motto "Denk nicht, schau!" - ein Zitat des Philosophen Ludwig Wittgenstein - eine Retrospektive Wolfgang Holleghas (1929 bis 2023) aus sechs Jahrzehnten.
Die Werkschau, die 23 Gemälde auf Leinwand sowie vier Arbeiten auf Papier umfasst, lädt Euch genau dazu ein: Den Verstand auszuschalten und in die Bilder einzutauchen. Es geht nicht um Erklärungen, Theorie oder Analyse, so Kuratorin Lea Schäfer, sondern um das Sehen. Genau das macht die Aktualität des Künstlers aus. Was wir von ihm lernen können - sich Zeit zu nehmen, den Blick zu schulen und den eigenen Fähigkeiten zu vertrauen.
Frühe Karriere in New York
Geboren am 4. März 1929 in Klagenfurt, wuchs Hollegha in der Steiermark auf. Von 1947 bis 1954 studierte er an der Akademie der bildenden Künste Wien in der Meisterklasse von Josef Dobrowsky. Bereits Ende der 1950er Jahre erlangte er große Anerkennung in New York – im Zentrum jener künstlerischen Avantgarde, die die Malerei nachhaltig veränderte. Gefördert vom einflussreichen US-amerikanischen Kunstkritiker Clement Greenberg, stellte er gemeinsam mit den Protagonistinnen und Protagonisten des Abstrakten Expressionismus aus, darunter Friedel Dzubas, Morris Louis und Jules Olitski.
Und er war noch nicht einmal 30, als er 1958 für Österreich mit dem Guggenheim Award ausgezeichnet wurde – als jüngster Preisträger und zeitgleich mit Alberto Giacometti, der den Preis für die Schweiz entgegennahm, und Mark Rothko für die USA.
Selbstgewählte Abgeschiedenheit
Trotz des Erfolgs in der Metropole New York entschied sich Hollegha für einen anderen Weg: 1961 erwarb er einen Bauernhof aus dem 17. Jahrhundert am Rechberg nördlich von Graz, den er nach seinen Plänen umbaute. Insbesondere das Sommeratelier ist allein durch seine Höhe von etwa 15 Metern bemerkenswert. Hier entwickelte er - mitten in der Natur gelegen - in einer selbstgewählten Abgeschiedenheit über mehr als sechs Jahrzehnte ein radikal eigenständiges, oft monumentales Œuvre – konzentriert, kompromisslos und durch seine Reduktion und Verdichtung von außergewöhnlicher malerischer Intensität.
💡 Wie Wolfgang Hollegha seine großformatigen Bilder aus seinem Atelier brachte? Er richtete eine breite, schmale Öffnung ein, durch die die riesigen Leinwände direkt aus dem Atelier heraus bewegt werden konnten, ohne sie vorher falten oder rollen zu müssen.
Meister der Reduktion und präzisen Verdichtung
Insbesondere bei der Gegenüberstellung der Zeichnungen - die er als Material betrachtete und meistens wegwarf - wird deutlich, wie er vorging: Als Motive dienten ihm Kinderspielzeug, ein Korb, Holzscheite oder seine Mütze. Diese abstrahierte er in mehreren Arbeitsschritten so stark, dass er ein komplett eigenständiges Bilderlebnis schuf.
Dabei arbeitete er handwerklich: Immer nur eine Armlänge von seinem Werk entfernt, schüttete er die Farbe mit Hilfe von Schüsseln auf die Leinwand, trug sie direkt mit der Hand auf oder verwischte sie mit einem Lappen. Ein treuer Begleiter war dem Künstler dabei die Musik von Johann Sebastian von Bach. Um die Wirkung seiner Werke zu überprüfen, stieg er immer wieder auf eine elf Meter hohe Empore, die eine ähnliche Höhe wie die "Kathedrale" - der lichtdurchflutete Raum im Museum Reinhard Ernst - hat.
Dr. Oliver Kornhoff, Direktor mreIn Wolfgang Hollegha erleben wir einen Maler, der unsere oft unscheinbare (Motiv)welt in herrlich mitreißende Farbereignisse überführt. In den großzügigen, hellen Räumen des Museums Reinhard Ernst beginnen seine Bilder zu atmen und entfalten ihre ganze Strahlkraft und Farbintensität.
Gegenüberstellung mit zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern
Ein besonderer Höhepunkt der Ausstellung ist die Gegenüberstellung von Holleghas Werk mit Arbeiten seiner amerikanischen Zeitgenossen wie Jackson Pollock, Helen Frankenthaler, Friedel Dzubas, Morris Louis, Jules Olitski und Larry Poons.
Erstmalig gezeigt wird Jacksons Pollocks ungewöhnliches Werk "Eye-Scape" (1952), bei dem er die "Soak-and-Stain-Technik" (Durchtränken und Einziehen) anwendet, die Helen Frankenthaler zur Meisterschaft brachte. Mit einer scheinbar kalligrafischen Herangehensweise lässt Pollock die verdünnte Farbe auf die unbehandelte Leinwand tropfen. Markierungen, Flecken und Verläufe beschwören Totemtiere, Symbole aus der Folklore und den Legenden indigener Völker herauf, für die sich Jackson Pollock seit seiner frühen Kindheit begeisterte.
Begleitprogramm:
- 20. Mai, 7. Oktober, 18 Uhr
Führung mit Kuratorin Lea Schäfer,
Ticket 15 Euro plus Eintrittspreis - 7. April, 20 Uhr, Caligari FilmBühne
Start der Filmreihe Denk nicht, schau!
Tauchen Sie ein in die Themenwelten Wolfgang Holleghas.
Tickets gibt es hier (Öffnet in einem neuen Tab)! - 11. April, 19 bis 24 Uhr
Kurze Nacht der Galerien und Museen in Wiesbaden, Eintritt frei - 15. April, 19 Uhr
Vortrag von Daniel Hollegha, Sohn des Malers Wolfgang Hollegha
Ticket acht Euro - 6. Juni, 13 Uhr
mre mutiger Mittwoch
Pop-up-Auftritt der Grazer Kapellknaben im mre, im Eintrittspreis enthalten




