Erneuerbare Gase
Erdgas ist heute der wichtigste Energieträger für die Wärmeversorgung in Wiesbaden, es deckt über 70 Prozent des Wärmebedarfs ab. Um Klimaneutralität zu erreichen dürfen ab 2045 nur noch klimaneutrale Gase eingesetzt werden. Hierzu kommen Wasserstoff, Biogas und synthetisches Methan in Frage.
Aufgrund der hohen Kosten und begrenzten Verfügbarkeiten kann keines dieser Gase den aktuellen Erdgasbedarf einfach ersetzen.
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Wasserstoff
Wasserstoff verursacht bei der Verbrennung kein CO₂. Wird er mit erneuerbaren Energien hergestellt, kann er deshalb eine klimafreundliche Energiequelle sein. Für die Wärmeversorgung in Wiesbaden spielt Wasserstoff nach der aktuellen Wärmeplanung jedoch voraussichtlich keine größere Rolle.
Ein wichtiger Grund sind die hohen Kosten: Heizen mit grünem Wasserstoff wird voraussichtlich deutlich teurer sein als Heizen mit einer Wärmepumpe oder über ein Wärmenetz. Deshalb wird erwartet, dass nur wenige Haushalte diese Möglichkeit nutzen würden. Ein eigenes Wasserstoffnetz aufzubauen wäre daher wirtschaftlich sehr aufwendig. Das bestehende Erdgasnetz auf Wasserstoff umzurüsten geht nur dann, wenn auch alle Verbraucher im Netz von Erdgas auf Wasserstoff umsteigen. Aufgrund der höheren Kosten für die Verbraucher und den organisatorischen Aufwand ist auch diese Option unwahrscheinlich.
Biogas (Methan)
Biogas entsteht, wenn Biomasse vergoren wird. Das dabei entstehende Methan kann aufbereitet und als Biomethan ins Gasnetz eingespeist werden. Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist ein Wechsel grundsätzlich einfach. Ähnlich wie beim Ökostrom muss das Biomethan nicht direkt bis zum eigenen Haus fließen. Es genügt, wenn der Versorger den gekauften Anteil in das Gasnetz einspeist. Biomethan kann einen Teil des Erdgasverbrauchs ersetzen, wird aber nicht für die gesamte Wärmeversorgung ausreichen.
Ein wichtiger Grund ist die begrenzte Verfügbarkeit: Auf dem Gelände der Deponie Dyckerhoffbruch entsteht derzeit eine Biogasanlage. Ab 2029 soll sie jährlich rund 60.000 Tonnen Biomüll aus Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus-Kreis verarbeiten und daraus etwa 5 Millionen Kubikmeter Biomethan erzeugen. Damit könnten rechnerisch aber nur rund zwei Prozent des heutigen Gasverbrauchs für die Wärmeversorgung in Wiesbaden gedeckt werden.
Für die Herstellung von Biogas können neben Abfällen auch Pflanzen eingesetzt werden, die eigens dafür angebaut werden. Das ist umstritten, weil diese Flächen dann nicht für den Anbau von Lebensmitteln zur Verfügung stehen. Der großflächige Anbau von Energiepflanzen in Monokulturen kann außerdem die Artenvielfalt beeinträchtigen.
Synthetisches Methan
Synthetisches Methan wird aus Wasserstoff und CO₂ hergestellt. Es unterscheidet sich nicht von Methan aus Erdgas oder Biogas und kann deshalb in das bestehende Gasnetz eingespeist werden. Wird es mit erneuerbaren Energien hergestellt, kann es als klimaneutraler Brennstoff gelten, da bei der Verbrennung nur so viel CO₂ freigesetzt wird, wie zuvor bei der Herstellung gebunden wurde. Theoretisch lässt sich synthetisches Methan in großen Mengen herstellen. Dennoch ist seine Rolle in der Wärmeversorgung gering.
Ein wichtiger Grund ist der große Aufwand: Die Herstellung von synthetischem Methan ist technisch aufwendig, teuer und benötigt viel Strom. Zunächst muss Wasserstoff hergestellt werden und CO₂ aus der Luft gewonnen werden, um dann daraus Methan herzustellen. Die Herstellung ist damit teurer und Energieintensiver als die anderer klimafreundlicher Gase. In Deutschland gibt es derzeit nur geringe Erzeugungskapazitäten. Welche Mengen künftig verfügbar sein werden und zu welchem Preis, lässt sich daher noch schwer abschätzen.
Fazit:
Insgesamt sind erneuerbare Gase keine geeignete Alternative, um Gasheizungen im großen Umfang langfristig zu ersetzten. Sie sind oft nur begrenzt verfügbar und deutlich teurer als das bisher genutzte Erdgas. Zudem ist die zukünftige Nutzung des Gasnetzes noch unsicher.
Für den Heizungssektor gibt es mit Wärmepumpen und Fernwärmenetzen gute klimafreundliche Technologien. Es spricht daher vieles dafür klimafreundliche Gase dort einzusetzen, wo andere Lösungen nicht möglich sind, beispielsweise in der Industrie oder im Schiffs- und Flugverkehr.