Kolumne im November 2026
Special Olympics Hessen feiern Jubiläum
Liebe Wiesbadenerinnen und Wiesbadener,
am 2. November feiern wir in Frankfurt 20 Jahre Special Olympics Hessen. Das sind zwei Jahrzehnte, in denen sich viele Menschen intensiv und erfolgreich für mehr gleichberechtigte sportliche und gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit kognitiver und mehrfacher Behinderung eingesetzt haben. Für mich ist dieses Engagement ein Herzensprojekt - umso mehr freue ich mich, dass die Landeshauptstadt Wiesbaden im Sommer 2029 Gastgeberin der Special Olympics Hessen sein wird. Ich möchte dieses Thema zum Anlass nehmen, zurückzublicken auf das, was wir im Bereich Inklusion bereits gemeinsam geschafft haben und darauf zu schauen, was noch vor uns liegt.
Unsere Welt ist immer noch voller Hindernisse, die von Menschen ohne Beeinträchtigungen oft nicht wahrgenommen werden. Wir als Stadt nehmen dieses Thema sehr ernst und haben uns zur Aufgabe gemacht, Wiesbaden barrierefrei zu gestalten - damit sich alle Bürgerinnen und Bürger uneingeschränkt als Teil der Stadtgesellschaft fühlen. Es ist unser erklärtes Ziel, dass alle Menschen mit ihren individuellen Unterschieden in allen Lebensbereichen gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Das beginnt zum Beispiel damit, dass öffentliche Gebäude von Anfang an barrierefrei geplant und dadurch zugänglich sind. Der Sportpark Rheinhöhe, dessen Richtfest wir erst kürzlich gefeiert haben, ist eines der aktuellsten Projekte, das komplett barrierefrei umgesetzt wird. Mit Schwimmhalle, Saunabereich und Eissporthalle schaffen wir einen vielseitigen Raum für Sport, Erholung und Freizeit, an dem alle zusammenkommen können.
Um dem Thema Inklusion mehr Raum in der Stadtverwaltung und -gesellschaft einzuräumen, hat die Stadt im Jahr 2023 die Stelle der kommunalen Inklusionsbeauftragten geschaffen. Andrea Hausy, unsere Inklusionsbeaufrtrage, koordiniert die Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltung und den vielen verschiedenen Vereinen und Verbänden, die sich für mehr Inklusion in unserer Stadt einsetzen. Beratend steht ihr der Expertenrat, bestehend aus 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit unterschiedlichen Behinderungen, zur Seite. Darüber hinaus gibt es den Arbeitskreis Inklusion und Barrierefreiheit - eine Vereinigung aus über 35 Organisationen und Selbsthilfegruppen. Er versteht sich sowohl als Ansprechpartner für Bürgerinnen und Bürger als auch für die Stadtpolitik und setzt sich für die autonome Teilhabe aller Menschen ein.
Die "Stille Stunde" ist eine tolle Initiative, die wir gemeinsam mit einem breiten Netzwerk umsetzen konnten. Als erste deutsche Stadt bietet Wiesbaden in dieser Breite zu bestimmten Zeiten ein reizarmes Einkaufserlebnis an. In diesen Stunden werden in teilnehmenden Geschäften, aber auch in Gastronomiebetrieben und anderen Einrichtungen, akustische und visuelle Reize dahingehend reduziert, dass der Besuch für Menschen mit nicht sichtbaren Einschränkungen wie Angsterkrankungen, Depressionen, Autismus und ADHS spürbar angenehmer wird. Seit Juli 2025 ist das Netzwerk stetig gewachsen, mittlerweile sind auch die Kaiser-Friedrich-Therme und das Museum Reinhard Ernst Partner. Die "Stille Stunde" wird überall sehr positiv aufgenommen, auch von Menschen ohne besondere sensorische Bedürfnisse und vom Personal der beteiligten Einrichtungen.
Das inklusive Kunstprojekt "Touched by art" ist ein weiteres Beispiel dafür, dass aus einer guten Idee und einem motivierten Netzwerk Großartiges entstehen kann. Insgesamt zehn Tandems, bestehend aus Künstlerinnen und Künstlern mit und ohne Beeinträchtigung, haben gemeinsam Werke geschaffen, die zeigen, welchen Beitrag Kunst zu einer inklusiven Stadtgesellschaft und zur kulturellen Teilhabe leisten kann. Bei der Versteigerung der Kunstwerke sind rund 100.000 Euro zusammengekommen, die vollständig in die Weiterführung des gemeinnützigen Projekts einfließen.
Neben diesen Leuchtturmprojekten findet Inklusion jeden Tag auf kleinerer Ebene und in vielen Bereichen statt. Zum Beispiel, indem Informationen in einfacher oder Gebärdensprache bereitgestellt werden, oder auch unser Innenstadtplan, der im Historischen Fünfeck barrierefreie Gastronomie und Hotels sowie rollstuhlgerechte, öffentliche Toiletten ausweist. Auch werden bei Umbauten von Kreuzungen oder bei Neugestaltungen von Spielplätzen immer stärker die Belange von Menschen mit Behinderungen berücksichtigt.
Wiesbaden ist auf einem guten Weg, und gleichzeitig gibt es noch viel zu tun. Ich würde mich freuen, wenn wir uns im Jahr 2029 als Gastgeberstadt der Special Olympics Hessen als noch inklusivere Stadt präsentieren können, die die Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen in immer mehr Bereichen des öffentlichen Lebens berücksichtigt.
An dieser Stelle möchte ich mich bei all denjenigen bedanken, die sich in Wiesbaden für mehr Inklusion und Teilhabe, aber auch ganz allgemein für ihre Mitmenschen einsetzen. Ihr Engagement ist das, was unsere Stadt lebenswert und liebenswert macht.
Herzlichst
Gert-Uwe Mende
Oberbürgermeister
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