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Stadtpolitik

Kolumne im September 2026

100 Jahre Eingemeindung von Biebrich, Schierstein und Sonnenberg

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Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende

Liebe Wiesbadenerinnen und Wiesbadener,

seit beinahe 100 Jahren gehören Biebrich, Schierstein und Sonnenberg zu Wiesbaden. Das wollen wir Ende September mit einem Festakt im Rathaus feiern. Das ist ein wirklich besonderer Anlass – und ich freue mich im Namen der Landeshauptstadt Wiesbaden und auch ganz persönlich schon sehr darauf. 

Überlegungen zur Eingemeindung Biebrichs nach Wiesbaden bestanden bereits im 19. Jahrhundert. Seit 1840 verband die Eisenbahn die beiden Städte und seit 1889 verkehrte zudem eine Straßenbahn auf der Hauptstraße zwischen Wiesbaden und Biebrich. Mit der Erschließung neuer Wohngebiete um 1900 entlang der verbindenden Allee wuchsen die beiden Orte auch städtebaulich aneinander. Eine Fusion hätte zu dieser Zeit die drittgrößte und die siebtgrößte Stadt der preußischen Provinz Hessen-Nassau vereinigt: Während Wiesbaden seit 1905 knapp 101.000 Einwohner zählte, waren es in Biebrich knapp 19.000. Im Jahr 1895 äußerte sich der damalige Biebricher Bürgermeister Rudolf Vogt positiv zu einer Fusion, konnte aber seinen Wiesbadener Amtskollegen Carl von Ibell nicht für diese Idee begeistern. Das war es dann: eine Vereinigung scheiterte. Bis zum Ende des Kaiserreichs gab es keine Eingemeindungen in Wiesbaden.

Nach dem Ersten Weltkrieg begann Wiesbaden Gespräche mit der Stadt Biebrich sowie den Gemeinden Schierstein und Sonnenberg, die in Verhandlungen über eine Eingemeindung mündeten. Die Stadt Wiesbaden hatte erkannt, dass ihre zukünftige Existenz nicht nur auf ihre Eigenschaft als Kurstadt gründen konnte. Die Eingemeindungen dienten also dem Flächenwachstum, der wirtschaftlichen Stärkung und der organisatorischen Vereinheitlichung einer wachsenden Region. Sonnenberg war mit Wiesbaden – ebenso wie mit Biebrich - bereits städtebaulich und infrastrukturell verbunden. Aus Wiesbadener Sicht wurde der "Landhausvorort" Sonnenberg zudem als Verlängerung des Wiesbadener Kurviertels, seiner Villenbebauung und des Kurparks gesehen.

Das Gesetz vom 28. Oktober 1926 über die Erweiterung des Stadtkreises Wiesbaden regelte die Herausgliederung der Stadt Biebrich am Rhein sowie der Landgemeinden Schierstein und Sonnenberg aus dem Landkreis Wiesbaden und ihre Zuteilung zur Stadtgemeinde und zum Stadtkreis Wiesbaden rückwirkend zum 1. Oktober 1926. Die bisher unabhängigen Gemeinden wurden zu Ortsteilen der Stadt Wiesbaden.

Diesen ersten Eingemeindungen folgten am 1. April 1928 neun weitere Gemeinden aus dem Landkreis Wiesbaden, der gleichzeitig aufgelöst wurde: dies waren Bierstadt, Dotzheim, Erbenheim, Frauenstein, Heßloch, Igstadt, Kloppenheim, Rambach - und Georgenborn, das 1939 wieder ausgemeindet wurde.

Viel Interessantes und Wissenswertes zu den Eingemeindungen hat der Direktor des Stadtarchivs Dr. Peter Quadflieg zusammengetragen. Band 19 der Reihe "Schriften des Stadtarchivs Wiesbaden“ mit dem Titel „Wiesbaden grüßt seine neuen Bürger. 100 Jahre Eingemeindungen nach Wiesbaden", erscheint ebenfalls in diesem Monat und wird im Rahmen des Festaktes vorgestellt.

Die Eingemeindung von Biebrich, Schierstein und Sonnenberg beschreibt einen Prozess lange währender Verhandlungen und schließlich einer Entscheidung von großer Tragweite, die die Entwicklung unserer Stadt bis heute beeinflusst. Mein Fazit lautet: Die Eingemeindungen haben nicht die Stadt Wiesbaden gestärkt, sondern zu einer Stärkung in den Stadtteilen und damit eben der gesamten Stadt geführt. Diese 100 Jahre Eingemeindung sind ein zentrales Jubiläum für unsere Stadt.

Herzlichst

Unterschrift - Ihr Gert-Uwe Mende

Gert-Uwe Mende
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