Die Gedenkstätte "Unter den Eichen" erinnert am Standort eines ehemaligen Bunkers, den KZ-Häftlinge für die SS bauen mussten, an das Wiesbadener Außenlager des SS-Sonderlagers/KZ Hinzert.
Geschichte des Ortes
Die Gedenkstätte befindet sich unterhalb des ehemaligen Reit- und Turnierplatzes "Unter den Eichen", auf dem in unmittelbarer Nähe das Wiesbadener Außenlager "Unter den Eichen" eingerichtet wurde. Dieses gehörte organisatorisch zum SS-Sonderlager/KZ Hinzert im Hunsrück. Die Gedenkstätte umfasst einen ehemaligen Befehlsbunker und dessen Außenbereich.
Das Außenlager war errichtet worden, nachdem sich seit 1942 die alliierten Luftangriffe auf das deutsche Reichsgebiet drastisch verstärkt hatten. Die SS sah sich folglich gezwungen, für ihre Dienststellen besser geschützte Ausweichquartiere am Stadtrand zu errichten. Sie forderte hierfür Häftlinge aus dem SS-Sonderlager/KZ Hinzert an. Die ersten etwa 50 Männer trafen im März 1944 ein.
Das Wiesbadener Außenlager "Unter den Eichen" bestand aus fünf einfachen Holzbaracken und war von einem Stacheldrahtzaun umgeben. Maximal 100 Häftlinge waren hier interniert. Die meisten von ihnen waren Luxemburger, aber auch Franzosen, ein Niederländer, ein Belgier und ein Deutscher waren hier eingesperrt.
Die Häftlingsgemeinschaft
Viele der Häftlinge im KZ-Außenlager „Unter den Eichen“ waren Landwirte und Arbeiter, und mehrheitlich Mitglieder der christlich-konservativen luxemburgischen Widerstandsgruppe „Letzeburger Volleks-Legio’n“ (L.V.L) gewesen. Einige hatten Wehrdienstverweigerer, in Luxemburg „Refraktäre“ genannt, versteckt oder bei der Flucht geholfen und wurden deshalb verhaftet. Die Häftlinge waren überwiegend junge Männer. Das Durchschnittsalter der Häftlinge betrug 31 Jahre. Entscheidend für das Überleben war die solidarische Selbstorganisation der Häftlinge. Als Lagerältester übernahm Nicolas Braun unter den eng miteinander verbundenen Luxemburgern Verantwortung. Er kommunizierte auch im Namen der Häftlinge mit den Bewachern. Besonders groß war die Solidarität bei der Versorgung mit Lebensmitteln: Den bestehenden Mangel konnten die Häftlinge nur durch Päckchen von Verwandten aus Luxemburg ausgleichen. Was nach Bestechung der SS von den Nahrungsmitteln übrig blieb, teilten sie untereinander auf. Im Spätsommer 1944 brach der Kontakt nach Luxemburg wegen des Vordringens der Alliierten im Westen ab. Nun versuchten die Häftlinge, bei den Arbeitseinsätzen heimlich Lebensmittel zu beschaffen. Die im Lager geschaffenen Strukturen sollten auch vor der Willkür der SS schützen. Die Häftlinge etablierten unter anderem ein geheimes Kennwort, um sich vor herannahenden SS-Männern zu warnen. Verstöße gegen die Lagerordnung wurden mit körperlicher Gewalt bestraft. Sammelten Häftlinge beispielsweise bei Arbeitseinsätzen Brennholz zum Beheizen der Baracken und wurden sie dabei entdeckt, bestraften die SS-Männer sie mit dem Schlagstock. Auch generelle Brief- und Paketsperren für alle im Lager Inhaftierten waren üblich. Wohl auch aus Angst vor solchen Kollektivstrafen versuchte keiner der Häftlinge zu fliehen.
Das Lager unterstand der SS und wurde von Polizeireservisten bewacht. Aufgrund der institutionellen Verbindung von SS und Polizei ab 1936 wurden Angehörige der Schutzpolizei zur Bewachung der Häftlinge des Wiesbadener Außenlagers eingesetzt. Die Wachmannschaft setzte sich aus Polizisten zusammen, die an den „Höheren SS- und Polizeiführer Rhein/Westmark“ abgeordnet waren. Es handelte sich offenbar überwiegend um ältere Polizeireservisten, da ihre jüngeren Kollegen zum Kriegsdienst eingezogen worden waren.
SS und Polizei
Die „Schutzstaffel der NSDAP“ (SS) entstand 1925 als Leibwache für Adolf Hitler und andere Parteiführer. Im NS-Staat wurde die als „Elitetruppe“ bezeichnete Gruppierung zur zentralen Stütze des Regimes. Ab 1934 war die SS für die Leitung aller Konzentrationslager, ab 1941 auch für die Vernichtungslager zuständig. Aus bereits zuvor gebildeten Vereinigungen entstand 1939 die Waffen-SS, die als Kampfverband am Zweiten Weltkrieg teilnahm und für zahlreiche Kriegsverbrechen an und hinter der Front verantwortlich war. Wiesbaden war der Dienstsitz des SS-Oberabschnitts „Rhein/Westmark“. Der Amtssitz des zuständigen „Höheren SS- und Polizeiführers“ befand sich in der Uhlandstraße 4 und 5. 1941 umfasste der Befehlsbereich das Gebiet der heutigen Bundesländer Hessen (ohne Nordhessen), Rheinland-Pfalz und Saarland sowie die besetzten Gebiete Lothringen und Luxemburg. Infolge von Umstrukturierungen erging am 17. Juni 1936 ein Erlass Adolf Hitlers, der die Deutsche Polizei institutionell mit der SS verband und den Reichsführer SS Heinrich Himmler zum Chef der Deutschen Polizei ernannte. Die Polizei wirkte in den folgenden Jahren durch ihr brutales Vorgehen gegen Regimegegner stabilisierend für die NS-Herrschaft und trug die nationalsozialistische Verfolgungs- und Vernichtungspolitik im Reich und ab 1939 in den deutsch-besetzten Gebieten mit. Ab September 1939 waren die lokalen Schutzpolizeien an der Deportation der jüdischen Bevölkerung maßgeblich beteiligt. Gleichzeitig bemühte sich das NS-Regime das Ansehen der Polizei zu steigern. Der bekannte Werbespruch „Die Polizei, dein Freund und Helfer“ wurde durch die NS-Propaganda geprägt. Einmal im Jahr fanden von 1934 bis 1942 die „Tage der Polizei“ statt, an denen sich die Polizei als bürgernahe Institution präsentierte. So wurden beispielsweise „Bunte Abende“ mit Musik- und Theaterdarbietungen im Wiesbadener Paulinenschlösschen organisiert. Bei diesen Großveranstaltungen wurden Spenden für das NS-Winterhilfswerk gesammelt, verbunden mit polizeilicher Aufklärung über „Volksschädlinge“. Die Überlebenden des Wiesbadener Außenlagers berichteten jedoch ausschließlich von Gewaltexzessen der SS. Über das Verhältnis zu den Polizeireservisten ist nur wenig bekannt.
Aufnahme der Wachmannschaft "Unter den Eichen". Das Foto ist wahrscheinlich kurz nach der Auflösung des Lagers entstanden.
Der Einsatz von Häftlingen für „kriegswichtige Aufgaben“ war seit dem Winter 1941/42 Hauptziel der SS-Lagerpolitik. Für das Ausweichquartier der Wiesbadener SS-Dienststellen auf dem Turnierplatz „Unter den Eichen“ sollten die Häftlinge des Außenlagers Büroräume, ein Heim für SS-Helferinnen und einen Bunker bauen. Lagerführer des Wiesbadener Außenlagers war SS-Hauptsturmführer Friedrich Leber (1896-1967).
Eine Gruppe Häftlinge aus Luxemburg. Das Foto wurde vermutlich kurz nach der Befreiung aufgenommen. Die Überlebenden tragen noch die Häftlingskleidung, die aus alten Polizeiuniformen bestand. Auf der rechten Brust sind sie mit einem "L" für Luxemburg gekennzeichnet.
Im Befehlsbunker fanden SS-Leute und Polizeiwachmannschaften Schutz vor Luftangriffen. Den Häftlingen war er hingegen nicht zugänglich. Bei Luftangriffen mussten sie in Splittergräben Schutz suchen und sich im von Stacheldraht umzäunten Lager aufhalten. Aufgrund des Schutzes starben bei einem Bombenangriff auf das Gelände "Unter den Eichen" am 18. Dezember 1944 Joseph Mayer, Prosper Schmitz, Nicolas Lanners, Albert Roilgen, Nicolas Oswald und Alphonse Weber. Sie wurden auf dem Wiesbadener Südfriedhof bestattet. Ihre Mithäftlinge befestigten Namensschilder an den Särgen, um die Toten später identifizieren zu können. 1946 wurden ihre sterblichen Überreste nach Luxemburg überführt. Als sich die US-Armee im März 1945 aus Richtung Mainz Wiesbaden näherte, sollten das KZ-Außenlager „Unter den Eichen“ aufgelöst und die Häftlinge nach Frankfurt-Heddernheim verlegt werden. Die SS bezeichnete dies als „Evakuierung“. Bei den Häftlingen wuchs die Furcht vor einer Erschießung. Die SS räumte ihre Dienststellen und am 23. März mussten die Häftlinge unter Polizeibewachung in Richtung Frankfurt am Main aufbrechen. Einigen Häftlingen gelang es, bei der Auflösung des Lagers zu fliehen.
Der Befehl, die Häftlinge des Wiesbadener KZ-Außenlagers bei ihrer Ankunft in Frankfurt am Main zu erschießen, wurde nicht ausgeführt. Stattdessen schickte der zuständige Polizeibeamte die Gruppe weiter in Richtung Friedberg. Die KZ-Häftlinge wurden in Assenheim von der US-Armee befreit. Bevor sie in ihre Heimat zurückkehren konnten, kamen die Männer mit amerikanischer Hilfe wieder zu Kräften. Zwangsarbeit und Mangelernährung hatten deutliche Spuren hinterlassen. Die Überlebenden des Wiesbadener Außenlagers verbrachten einige Wochen auf dem Gelände der IG-Farben in Frankfurt, wo Tausende „Displaced Persons“ – ehemalige Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge – untergebracht waren.
Die Gedenkstätte
Die meisten Baracken des Außenlagers und der SS-Dienststelle waren bereits Ende 1945 abgerissen worden. Sie wurden zur Gewinnung von Baumaterial genutzt. Das Gelände rund um den Bunker blieb sich selbst überlassen und verwilderte. Es waren ehemalige Häftlinge, die in den 1970er Jahren auf die Bedeutung des Ortes aufmerksam machten. Für den Erhalt des Bunkers setzte sich ein in der Wiesbadener Stadtpolitik engagiertes Mitglied von Bündnis 90/DIE GRÜNEN ein. Die Wiesbadener „Geschichtswerkstatt“, eine Bürgerinitiative, wurde schließlich mit der Erforschung des Wiesbadener Außenlagers beauftragt. 1991 ließ der Magistrat der Landeshauptstadt Wiesbaden den Bunker als letzten baulichen Überrest durch die Einrichtung einer Dauerausstellung zu einer Gedenkstätte ausgestalten. Sie wurde am 9. November 1991 eingeweiht. Von 2021 bis 2026 wurde die Ausstellung überarbeitet und aktualisiert. Die Gedenkstätte wurde am 12. Mai 2026 wiedereröffnet.
Die Dauerausstellung gliedert sich in folgende thematische Schwerpunktbereiche:
Wiesbaden in der Zeit des Nationalsozialismus
Geschichte des Geländes "Unter den Eichen"
Das SS-Sonderlager/KZ Hinzert
Geschichte der SS und Polizei in Wiesbaden
Das Wiesbadener Außenlager "Unter den Eichen"
Zwangsarbeit und Selbstorganisation im Lager
Einrichtung der Gedenkstätte
Öffnungszeiten
Die Gedenkstätte ist von Mai bis Oktober immer samstags von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Der letzte Öffnungstag in 2026 ist Samstag, der 26. September. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Das Stadtarchiv Wiesbaden bietet ganzjährig geführte Rundgänge nach Vereinbarung an. Termine können per E-Mail an stadtarchivwiesbadende oder telefonisch unter der (0611) 314740 vereinbart werden.
Adresse
Die Gedenkstätte "Unter den Eichen" befindet sich im Carl-von-Ibell-Weg gegenüber der Hausnummer 6.
Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln
Linie 3 bis zur Endhaltestelle "Unter den Eichen" und Linie 6 bis zur Endhaltestelle "Nordfriedhof".
Anreise mit dem Auto
Über Platter Straße zum Nordfriedhof, an der Ampel links abbiegen in die Straße Unter den Eichen, in der Linkskurve rechts auf Carl-von-Ibell-Weg abbiegen.
Vom Dürerplatz über die Albrecht-Dürer Straße, die Van-Dyck-Straße und die Schützenstraße, in der Rechtskurve links abbiegen.
Häufig gestellte Fragen zum Besuch der Gedenkstätte
Wann kann die Gedenkstätte besucht werden?
Besuche sind von Mai bis Oktober immer samstags von 14 bis 16 Uhr möglich. Führungen bieten wir nach Vereinbarung an. Für Terminanfragen wenden Sie sich per E-Mail an stadtarchivwiesbdende oder Sie erreichen uns telefonisch unter (0611) 314740.
Wo befindet sich die Gedenkstätte?
Die KZ-Gedenkstätte „Unter den Eichen“ befindet sich im Carl-von-Ibell-Weg, gegenüber Hausnummer 6, in Wiesbaden. Sie wird vom Stadtarchiv Wiesbaden verwaltet.
Wie erreiche ich die Gedenkstätte?
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Linie 6 bis zur Endhaltestelle „Nordfriedhof“ oder Linie 3 bis zur Endhaltestelle „Unter den Eichen“.
Mit dem Auto: Über die Platter Straße zum Nordfriedhof fahren, an der Ampel link in die Straße „Unter den Eichen“ abbiegen und in der Linkskurve rechts auf den Carl-von-Ibell-Weg abbiegen. Alternativ vom Dürerplatz über die Albrecht-Dürer-Straße, die Van-Dyck-Straße und die Schützenhofstraße fahren und in der Rechtskurve links abbiegen.
Wie lange dauert ein geführter Rundgang in der Gedenkstätte?
Eine Führung dauert etwa eine Stunde bis eineinhalb Stunden.
Was kostet der Besuch der Gedenkstätte?
Der Besuch der Gedenkstätte zu den regulären Öffnungszeiten sowie Rundgänge für Gruppen sind kostenfrei.
Muss ein Besuch der Gedenkstätte angemeldet werden?
Besuche ohne Rundgang zu den regulären Öffnungszeiten müssen nicht angemeldet werden. Damit wir Ihren Besuch bestmöglich vorbereiten können, teilen Sie uns Ihren Wunschtermin für einen Rundgang so früh wie möglich mit. Die Gruppengröße sollte mindestens fünf, jedoch nicht mehr als 20 Personen betragen. Rundgänge können per E-Mail an stadtarchivwiesbadende oder telefonisch unter (0611) 314740 angefragt werden.
Für wen ist die Ausstellung geeignet?
Das Angebot richtet sich an Schulklassen, Jugendgruppen, Studierende und Erwachsene, die sich für die Wiesbadener Stadtgeschichte, die Geschichte der NS-Zeit und Erinnerungskultur interessieren. Für Schülerinnen und Schüler bieten wir geführte Rundgänge ab der 9. Jahrgangsstufe an.
Ist die Ausstellung mehrsprachig?
Die Dauerausstellung wird in deutscher und englischer Sprache präsentiert. Rundgänge sind ebenfalls in beiden Sprachen möglich. Begleitmaterial ist in Deutsch, Englisch und Französisch verfügbar.
Darf in der KZ-Gedenkstätte fotografiert oder gefilmt werden?
Das Anfertigen von Fotos und Videos ist grundsätzlich gestattet, sofern die geltenden Regeln und Datenschutzbestimmungen eingehalten werden. Personen dürfen nur mit deren ausdrücklicher Einwilligung aufgenommen werden.
Ist die Gedenkstätte barrierefrei?
Die Dauerausstellung ist aufgrund der baulichen Situation des historischen Ortes nicht barrierefrei zugänglich. Rundgänge können mit Gebärdenübersetzung und in Leichte Sprache angeboten werden.
Sind Haustiere erlaubt?
Haustiere sind in der Gedenkstätte nicht gestattet. Ausgenommen sind Assistenzhunde.
Was muss ich bei meinem Besuch in der Gedenkstätte beachten?
Da die KZ-Gedenkstätte in einem Waldstück liegt, empfehlen wir wetterangepasste Kleidung sowie festes Schuhwerk. Bitte beachten Sie, dass in der Gedenkstätte keine sanitären Anlagen vorhanden sind.
Für Schulklassen
Zur Vor- und Nachbereitung eines Rundgangs in der Gedenkstätte "Unter den Eichen" stellt das Stadtarchiv Lehrkräften zusätzliche Informationen, Materialien und Fragen rund um den Gedenkstättenbesuch zur Verfügung. Sie sollen die persönliche Auseinandersetzung und das historische Verstehen fördern. Die Fragen eignen sich für Unterrichtsgespräche, Kurzreferate, Gruppenarbeiten oder schriftliche Beiträge.
Nachbereitung des Gedenkstättenbesuchs für die Mittelstufe
Was habe ich gesehen und erlebt?
Was ist dir beim Besuch der Gedenkstätte am stärksten im Gedächtnis geblieben? Beschreibe eine Information, einen Gegenstand oder ein Bild, das du nicht vergessen wirst und erkläre, warum. Wie hast du dich während des Besuchs gefühlt? Hat sich dein Gefühl im Verlauf des Besuchs verändert? Versuche, es zu beschreiben. Hast du heute etwas Neues erfahren, das du vorher nicht wusstest? Was hat dich dabei am meisten überrascht?
Wer war im Wiesbadener Lager eingesperrt und warum?
In der Ausstellung wird von Menschen erzählt, die im Lager „Unter den Eichen“ eingesperrt waren. Was weißt du über ihr Leben, ihre Herkunft und ihr Schicksal? Was hat dich dabei am meisten bewegt? Viele der Häftlinge kamen aus Luxemburg und wurden verfolgt, weil sie sich gegen die deutsche Besatzung gewehrt hatten. Was stellst du dir vor, was es bedeutet hat, wegen Widerstands in einem Lager festgehalten zu werden? Es gab Menschen, die den Häftlingen trotz großer Gefahr geholfen haben. Was glaubst du, was diese Menschen dazu bewogen hat?
Wie konnte es dazu kommen?
Das Wiesbadener Lager befand sich in der Nähe von Wohnhäusern und Straßen. Warum haben so wenige Menschen etwas dagegen unternommen? Was hindert Menschen daran, sich gegen Unrecht zu wehren?
Erinnern - Wozu und wie?
Warum gibt es diese Gedenkstätte? Was wäre verloren, wenn sie nicht existieren würde? Erst Jahrzehnte nach der Auflösung des Lagers wurde eine Gedenkstätte eingerichtet. Warum, glaubst du, dauerte das so lange? Was kann passieren, wenn Geschichte vergessen wird? Was nimmst du persönlich aus diesem Besuch mit? Gibt es etwas, das du anders siehst als vorher? Gibt es etwas, das du jemandem erzählen möchtest? Gibt es etwas, das Menschen heute tun können, damit so etwas, was du beim Besuch der Gedenkstätte erfahren oder gesehen hast, nie wieder geschieht? Was glaubst du, können du und deine Mitschülerinnen und Mitschüler dazu beitragen?
Nachbereitung des Gedenkstättenbesuchs für die Oberstufe
Historische Einordnung
Das Wiesbadener Außenlager „Unter den Eichen“ befand sich in einer deutschen Großstadt. Welche gesellschaftlichen, politischen und institutionellen Bedingungen haben es möglich gemacht, dass ein solches Lager existieren konnte? Warum wurde es so lange öffentlich kaum thematisiert? Die Häftlinge leisteten Zwangsarbeit für die SS, aber auch für Wiesbadener Betriebe und die Stadtverwaltung (z.B. Renovierung von SS-Dienstwohnungen, Trümmerräumung). Welche Schlüsse lässt dies über die Beteiligung von Wirtschaft, Stadtverwaltung und Gesellschaft am NS-System zu? Der Großteil der Häftlinge stammte aus Luxemburg. Es handelte sich vor allem um Männer, die den Dienst in der Wehrmacht verweigerten, Wehrdienstverweigerer versteckten oder bei der Flucht unterstützten. Was weißt du über die Situation in Luxemburg und die deutsche Besatzung? Opfer, Täter, Mitläufer, Helfer – Welche dieser Bezeichnungen lassen sich am Beispiel des Außenlagers „Unter den Eichen“ nachvollziehen? Welche Handlungsspielräume bestanden?
Erinnerungskultur
Das Wiesbadener Außenlager des SS-Sonderlagers/KZ Hinzert war nach 1945 lange Zeit nicht thematisiert worden. Erst Ende der 1970er Jahre setzte eine öffentliche Auseinandersetzung ein. Die Gedenkstätte wurde 1991 eröffnet. Woran liegt es, dass Orte des NS-Unrechts so lang nicht wahrgenommen wurden? 2026 wurde die Gedenkstätte mit neuer Dauerausstellung wiedereröffnet. Insbesondere Einzelschicksale stehen nun im Mittelpunkt der Präsentation. Die Ausstellung ist nun auch von der Straße aus sichtbar. Was verändert sich, wenn eine Gedenkstätte neugestaltet bzw. weiterentwickelt wird? Die Gedenkstätte befindet sich in einem Waldgebiet am Stadtrand von Wiesbaden. Wie beeinflusst der Ort das Erinnern? Welche Spannung entsteht zwischen der Umgebung und der historischen Bedeutung des Ortes?
Persönliche Wahrnehmung und Reflexion
Der Besuch einer Gedenkstätte kann verschiedene, oft auch widersprüchliche Gefühle wie Betroffenheit, Fassungslosigkeit, aber manchmal auch Distanz oder Überforderung auslösen. Welche Empfindungen hast du wahrgenommen, und wie gehst du damit um? Hattest du vor dem Besuch Erwartungen, die sich nicht erfüllt haben, oder wurde etwas bestätigt, das du bereits wusstest? Inwiefern hat der Besuch dein bisheriges Bild von der NS-Zeit verändert? Welche Information, welches Bild oder welche Tafel hat dich am meisten beeindruckt? Versuche zu beschreiben, warum gerade dieser Eindruck so stark war?
Gegenwartsbezug und Verantwortung
Welche politischen, sozialen und sprachlichen Mechanismen, die den Weg in die NS-Diktatur ermöglicht haben, lassen sich in veränderter Form in der heutigen Gesellschaft beobachten? Wo siehst du Parallelen? Wo sind Unterschiede? Zeitzeuginnen und Zeitzeugen spielen für die Erinnerungskultur eine wichtige Rolle, doch nur noch wenige Menschen können über ihre Erlebnisse berichten. Welche Formen des Gedenkens sprechen dich an?