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Stadtgeschichte

Gedenkstätte "Unter den Eichen"

Die Gedenkstätte "Unter den Eichen" erinnert am Standort eines ehemaligen Bunkers, den KZ-Häftlinge für die SS bauen mussten, an das Wiesbadener Außenlager des SS-Sonderlagers/KZ Hinzert.

Geschichte des Ortes

Die Gedenkstätte befindet sich unterhalb des ehemaligen Reit- und Turnierplatzes "Unter den Eichen", auf dem in unmittelbarer Nähe das Wiesbadener Außenlager "Unter den Eichen" eingerichtet wurde. Dieses gehörte organisatorisch zum SS-Sonderlager/KZ Hinzert im Hunsrück. Die Gedenkstätte umfasst einen ehemaligen Befehlsbunker und dessen Außenbereich.

Das Außenlager war errichtet worden, nachdem sich seit 1942 die alliierten Luftangriffe auf das deutsche Reichsgebiet drastisch verstärkt hatten. Die SS sah sich folglich gezwungen, für ihre Dienststellen besser geschützte Ausweichquartiere am Stadtrand zu errichten. Sie forderte hierfür Häftlinge aus dem SS-Sonderlager/KZ Hinzert an. Die ersten etwa 50 Männer trafen im März 1944 ein.

Das Wiesbadener Außenlager "Unter den Eichen" bestand aus fünf einfachen Holzbaracken und war von einem Stacheldrahtzaun umgeben. Maximal 100 Häftlinge waren hier interniert. Die meisten von ihnen waren Luxemburger, aber auch Franzosen, ein Niederländer, ein Belgier und ein Deutscher waren hier eingesperrt.

Das Lager unterstand der SS und wurde von Polizeireservisten bewacht. Aufgrund der institutionellen Verbindung von SS und Polizei ab 1936 wurden Angehörige der Schutzpolizei zur Bewachung der Häftlinge des Wiesbadener Außenlagers eingesetzt. Die Wachmannschaft setzte sich aus Polizisten zusammen, die an den „Höheren SS- und Polizeiführer Rhein/Westmark“ abgeordnet waren. Es handelte sich offenbar überwiegend um ältere Polizeireservisten, da ihre jüngeren Kollegen zum Kriegsdienst eingezogen worden waren.

Der Einsatz von Häftlingen für „kriegswichtige Aufgaben“ war seit dem Winter 1941/42 Hauptziel der SS-Lagerpolitik. Für das Ausweichquartier der Wiesbadener SS-Dienststellen auf dem Turnierplatz „Unter den Eichen“ sollten die Häftlinge des Außenlagers Büroräume, ein Heim für SS-Helferinnen und einen Bunker bauen. Lagerführer des Wiesbadener Außenlagers war SS-Hauptsturmführer Friedrich Leber (1896-1967).

Eine Gruppe von Häftlingen steht neben einer Barracke
Eine Gruppe Häftlinge aus Luxemburg. Das Foto wurde vermutlich kurz nach der Befreiung aufgenommen. Die Überlebenden tragen noch die Häftlingskleidung, die aus alten Polizeiuniformen bestand. Auf der rechten Brust sind sie mit einem "L" für Luxemburg gekennzeichnet.

Im Befehlsbunker fanden SS-Leute und Polizeiwachmannschaften Schutz vor Luftangriffen. Den Häftlingen war er hingegen nicht zugänglich. Bei Luftangriffen mussten sie in Splittergräben Schutz suchen und sich im von Stacheldraht umzäunten Lager aufhalten. Aufgrund des Schutzes starben bei einem Bombenangriff auf das Gelände "Unter den Eichen" am 18. Dezember 1944 Joseph Mayer, Prosper Schmitz, Nicolas Lanners, Albert Roilgen, Nicolas Oswald und Alphonse Weber.
Sie wurden auf dem Wiesbadener Südfriedhof bestattet. Ihre Mithäftlinge befestigten Namensschilder an den Särgen, um die Toten später identifizieren zu können. 1946 wurden ihre sterblichen Überreste nach Luxemburg überführt.
Als sich die US-Armee im März 1945 aus Richtung Mainz Wiesbaden näherte, sollten das KZ-Außenlager „Unter den Eichen“ aufgelöst und die Häftlinge nach Frankfurt-Heddernheim verlegt werden. Die SS bezeichnete dies als „Evakuierung“. Bei den Häftlingen wuchs die Furcht vor einer Erschießung. Die SS räumte ihre Dienststellen und am 23. März mussten die Häftlinge unter Polizeibewachung in Richtung Frankfurt am Main aufbrechen. Einigen Häftlingen gelang es, bei der Auflösung des Lagers zu fliehen. 

Der Befehl, die Häftlinge des Wiesbadener KZ-Außenlagers bei ihrer Ankunft in Frankfurt am Main zu erschießen, wurde nicht ausgeführt. Stattdessen schickte der zuständige Polizeibeamte die Gruppe weiter in Richtung Friedberg. Die KZ-Häftlinge wurden in Assenheim von der US-Armee befreit. Bevor sie in ihre Heimat zurückkehren konnten, kamen die Männer mit amerikanischer Hilfe wieder zu Kräften. Zwangsarbeit und Mangelernährung hatten deutliche Spuren hinterlassen. Die Überlebenden des Wiesbadener Außenlagers verbrachten einige Wochen auf dem Gelände der IG-Farben in Frankfurt, wo Tausende „Displaced Persons“ – ehemalige Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge – untergebracht waren.

Die Gedenkstätte

Die meisten Baracken des Außenlagers und der SS-Dienststelle waren bereits Ende 1945 abgerissen worden. Sie wurden zur Gewinnung von Baumaterial genutzt. Das Gelände rund um den Bunker blieb sich selbst überlassen und verwilderte. Es waren ehemalige Häftlinge, die in den 1970er Jahren auf die Bedeutung des Ortes aufmerksam machten. Für den Erhalt des Bunkers setzte sich ein in der Wiesbadener Stadtpolitik engagiertes Mitglied von Bündnis 90/DIE GRÜNEN ein. Die Wiesbadener „Geschichtswerkstatt“, eine Bürgerinitiative, wurde schließlich mit der Erforschung des Wiesbadener Außenlagers beauftragt. 1991 ließ der Magistrat der Landeshauptstadt Wiesbaden den Bunker als letzten baulichen Überrest durch die Einrichtung einer Dauerausstellung zu einer Gedenkstätte ausgestalten. Sie wurde am 9. November 1991 eingeweiht. Von 2021 bis 2026 wurde die Ausstellung überarbeitet und aktualisiert. Die Gedenkstätte wurde am 12. Mai 2026 wiedereröffnet.

Die Dauerausstellung gliedert sich in folgende thematische Schwerpunktbereiche:

  • Wiesbaden in der Zeit des Nationalsozialismus
  • Geschichte des Geländes "Unter den Eichen"
  • Das SS-Sonderlager/KZ Hinzert
  • Geschichte der SS und Polizei in Wiesbaden
  • Das Wiesbadener Außenlager "Unter den Eichen"
  • Zwangsarbeit und Selbstorganisation im Lager
  • Einrichtung der Gedenkstätte

Öffnungszeiten

Die Gedenkstätte ist von Mai bis Oktober immer samstags von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Der letzte Öffnungstag in 2026 ist Samstag, der 26. September. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Das Stadtarchiv Wiesbaden bietet ganzjährig geführte Rundgänge nach Vereinbarung an. Termine können per E-Mail an stadtarchivwiesbadende oder telefonisch unter der (0611) 314740 vereinbart werden.

Adresse

Die Gedenkstätte "Unter den Eichen" befindet sich im Carl-von-Ibell-Weg gegenüber der Hausnummer 6.

Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln

Linie 3 bis zur Endhaltestelle "Unter den Eichen" und Linie 6 bis zur Endhaltestelle "Nordfriedhof".

Anreise mit dem Auto

Über Platter Straße zum Nordfriedhof, an der Ampel links abbiegen in die Straße Unter den Eichen, in der Linkskurve rechts auf Carl-von-Ibell-Weg abbiegen.

Vom Dürerplatz über die Albrecht-Dürer Straße, die Van-Dyck-Straße und die Schützenstraße, in der Rechtskurve links abbiegen.

Häufig gestellte Fragen zum Besuch der Gedenkstätte

Für Schulklassen

Zur Vor- und Nachbereitung eines Rundgangs in der Gedenkstätte "Unter den Eichen" stellt das Stadtarchiv Lehrkräften zusätzliche Informationen, Materialien und Fragen rund um den Gedenkstättenbesuch zur Verfügung. Sie sollen die persönliche Auseinandersetzung und das historische Verstehen fördern. Die Fragen eignen sich für Unterrichtsgespräche, Kurzreferate, Gruppenarbeiten oder schriftliche Beiträge.

Nachbereitung des Gedenkstättenbesuchs für die Mittelstufe

Nachbereitung des Gedenkstättenbesuchs für die Oberstufe

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